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„Alles im Fluss“ – Inspirationen für Nachhaltigkeitsbildung vom SCHUBZ România in Râșnov, Rumänien

„Alles im Fluss“ – Inspirationen für Nachhaltigkeitsbildung vom SCHUBZ România in Râșnov, Rumänien

© Christiane Meyer
River Cleanup: Eine Auffanganlage hält Müll an der Oberfläche des Flusses auf, hier im Fluss Ghimbășel in Râșnov/Rumänien. Das Foto zeigt den Müll, der sich an nur drei Tagen gesammelt hat.
© Christiane Meyer
Mobiles Wissen: Im SCHUBZ MOBIL, einem Kleinbus, befinden sich eine kleine Ausstellung sowie ein Experiment.

Ein Bericht von Prof. Dr. Christiane Meyer – im Rahmen des Projekts „Das Lebenselement Wasser und unsere gemeinsame Zukunft – Diskurse zur nachhaltigen Entwicklung im Kontext der Klimakrise“ 

Im Rahmen der internationalen Projektreise „Freiraum NATUR“ vom 13.05.-17.05.2026 nach Rumänien, organisiert vom SCHUBZ Lüneburg, wurde den Teilnehmenden Einblick in ein Bildungsprojekt des SCHUBZ România ermöglicht, das auf die Verschmutzung des Flusses Ghimbășel durch (Plastik-)Müll aufmerksam machen möchte. Der 67 km lange Ghimbășel entspringt im Bucegi-Gebirge und mündet in den Fluss Bârsa. Er fließt auf seinem Weg u. a. durch Râșnov

Hintergrund des Projekts ist, dass einige Menschen unachtsam Müll im Fluss entsorgen. Dabei handelt es sich um Plastikmüll, Gläser, Holz, Reste von Möbeln, Schuhe etc. Damit dieser Müll nicht weiter flussabwärts treibt, wird von Frühjahr bis Herbst eine Müllauffanganlage an einer Brücke installiert. Im Winter hingegen ist aufgrund der Kälte die Installation nicht schadensfrei möglich. Der Müll muss zwischenzeitlich immer wieder abgeräumt werden, damit er sich nicht über die Barriere hinaus auftürmt.

Um die Bevölkerung zu sensibilisieren, hat ein Künstler die Wände eines Gebäudes in unmittelbarer Nähe zur Müllauffanganlage illustriert. An der Wand steht geschrieben: „Apa nu este a noastră, noi suntem ai apei“, d. h. übersetzt „Das Wasser gehört nicht uns, wir gehören dem Wasser“. Ein schöner Perspektivwechsel, der zum Nachdenken über unsere Beziehung zum Wasser und generell zu unserer natürlichen Umwelt anregt. Eine Wand weiter wird für einen Reifenservice bzw. eine Reifenwerkstatt geworben. Welch Kontrast! Reifenabriebpartikel sind ein großes Problem für Gewässer, denn sie schädigen in Form von Mikro- oder Nanoplastik Wasserorganismen und Flussökosysteme, wie z. B. ein Bericht von Joachim Wille in klimareporter° mit Referenz auf eine aktuelle Studie hierzu herausstellt.

Die Probleme, die mit Makro-, Mikro- und Nanoplastik einhergehen, werden im SCHUBZ MOBIL des SCHUBZ România in Râșnov aufgegriffen. Dabei handelt es sich um einen Kleinbus, in dem eine kleine Ausstellung sowie ein Experiment zu finden sind. Beim Experiment wird wie folgt vorgegangen: Müll – wie er im Fluss Ghimbășel zu finden ist – wurde in eine mit Wasser gefüllte Plastikflasche getan. Diese wird geschüttelt. Anschließend wird eine Wasserprobe entnommen und mit dem Mikroskop analysiert. Dabei können verschiedene Typen von Mikroplastik ausfindig gemacht werden. Im Innenraum des SCHUBZ MOBIL wird zudem über die Einteilung in Mikro- und Nanoplastik informiert. Auf der gegenüberliegenden Wand werden zum einen anthropogene, d. h. von Menschen verursachte Einflüsse auf Flussökosysteme und zum anderen Ökosystemleistungen von Flüssen kompakt dargestellt. Ein Teil der Fahrzeugwand zeigt eine schöne Illustration, die einen Ausschnitt aus dem Ökosystem des Ghimbășel darstellen soll und Möglichkeiten offeriert, bestimmte Tiere und Pflanzen im und am Fluss zu entdecken. Zudem kann ein thematisch passender Film geschaut werden. Diese Zugänge dienen dazu, eine tiefergehende Beziehung zum Fluss sowie zu den Pflanzen und Tieren in und um ihn zu entwickeln. 

Für Schulklassen wurde zudem ein spielerischer Zugang kreiert: Ein Tennisball muss auf einer Decke bewegt werden. Die Decke ist thematisch bemalt mit Wasser, Pflanzen und Tieren sowie Plastik. Dabei gibt es einen Startpunkt und einen bestimmten Endpunkt. Und es ist ein grüner Weg vorgegeben. Als Hindernis gibt es zahlreiche Löcher, in die der Ball nicht fallen darf. Das Spiel vermittelt im übergeordneten Sinne, dass es eine Gemeinschaftsaufgabe ist, das Flussökosystem sauber zu halten. Ein Schüler hat kommentiert, dass im Zuge des Spiels schon eine kleine Veränderung einen großen Unterschied ausmachen kann. Und das lässt sich schön auf das konkrete Alltagshandeln übertragen.

Das Bildungsprojekt ist ein gelungenes Beispiel, wie schulisch und außerschulisch für die Problematik von Makro-, Mikro- und Nanoplastik sensibilisiert werden kann. Zudem zeigt es auf, dass wir z. B. mit einer Müllauffanganlage schon einiges bewirken können, um Flüsse vom Müll zu befreien. Es bleibt zu hoffen, dass über solche Bildungsprojekte, die zu Nachhaltigkeitsbildung bzw. Bildung für nachhaltige Entwicklung beitragen, ein verantwortungsbewusster Umgang mit unserer natürlichen Um- bzw. Mitwelt verbreitet wird. 

Wie aktuell und bedeutsam die Thematik bzw. Problematik des Mikroplastiks ist, zeigt ein just erschienenes Buch von Dr. Katrin Schuhen, Chemikerin und Geschäftsführerin der Wasser 3.0 gGmbH. Dabei geht es um den KRIMINALFALL MIKROPLASTIK und die Ermittlungen in einem Jahrhundertverbrechen. Spurensuche, Tatwerkzeuge und Aufklärung bringen uns diesen Fall näher. Meine Empfehlung: Nehmen Sie die Ermittlungsarbeit auf!

Ich danke den Mitarbeitenden im SCHUBZ România sehr herzlich für die Einblicke in dieses wichtige und wertvolle Bildungsprojekt. Den Mitarbeitenden im „Freiraum NATUR“-Projekt am SCHUBZ Lüneburg danke ich sehr herzlich dafür, dass ich an der perfekt organisierten, internationalen Projektreise teilnehmen durfte. Die Inspirationen, die ich durch diese Reise erhalten habe, gehen weit über das hinaus, was hier dargestellt ist.