Social Media and Climate Change – SoMeCliCS

SOZIALE MEDIEN UND KLIMAWANDEL

Der Alltag ist stark von der Kommunikation in den sozialen Medien geprägt, insbesondere bei jungen Menschen. Auch wenn diese Dienste es Menschen ermöglichen, in Echtzeit rund um den Globus zu kommunizieren, sind in den letzten Jahren Probleme wie Echokammern, Filterblasen oder Fake News entstanden. Diese Phänomene beeinflussen auch gesellschaftliche Diskurse über Themen wie den Klimawandel und führen zu digitalen Räumen, in denen wissenschaftliche Fakten offen geleugnet werden. Aufgrund dieser Entwicklung besteht ein Bedarf an weiteren Erkenntnissen über die Rolle der sozialen Medien für den Klimawandeldiskurs.

EINE INTERDISZIPLINÄRE PERSPEKTIVE DER NATURWISSENSCHAFTLICHEN BILDUNG

Usage, Literacies and Interventions from the Perspective of Science Education

Im Rahmen von SoMeCliCS wenden wir die Perspektive der wissenschaftlichen Bildung an, um (1) die Nutzung, (2) die erforderlichen Kompetenzen und (3) die Möglichkeiten für Interventionen zur Förderung dieser Kompetenzen zu untersuchen. Dabei wenden wir (4) digitale Methoden an.

  • Was sind soziale Medien?

    Soziale Medien beschreiben eine Vielzahl von Plattformen, die die Kommunikation mit anderen Menschen über internetbasierte Dienste ermöglichen (Carr & Hayes, 2015). Innerhalb der sozialen Medien können verschiedene Kategorien wie soziale Netzwerke (z.B. Facebook, Twitter) und soziale Messenger (z.B. WhatsApp, Telegram) unterschieden werden.

  • Warum „aus der Perspektive der naturwissenschaftlichen Bildung"?

    Soziale Medien sind kein neues Phänomen, weshalb bereits viele Studien die Rolle der sozialen Medien untersucht haben. So konnten beispielsweise mit Big-Data-Analysen die Auswirkungen von Echokammern untersucht werden (z. B. Williams et al., 2015). Allerdings lassen diese Studien die psychologische Perspektive der sozialen Medien oft außer Acht (Montag et al., 2016).

    Der naturwissenschaftliche Unterricht (Biologie-, Chemie- und Physikunterricht) nimmt hier eine herausragende Stellung ein, da er das jeweilige inhaltliche Wissen mit relevanten pädagogischen und psychologischen Prozessen verbindet. Wir verstehen das Betrachten und Verarbeiten von fachbezogenen Inhalten in sozialen Medien als informelles Lernen, das wir aus wissenschaftspädagogischer Sicht untersuchen.

    Neben dieser verbindenden Rolle der Wissenschaftsdidaktik unterstützen Forscherinnen und Forscher des L3S das Projekt durch die Entwicklung moderner Computertechniken zum Erfassen der großen Datenmengen.

  • Warum zum Thema Klimawandel?

    Auch wenn die möglichen Auswirkungen des Klimawandels seit vielen Jahren bekannt sind, wurde bisher kein ausreichender Ansatz zur Eindämmung des Klimawandels entwickelt. Während die Wissenschaft hinter dem Thema komplex und daher schwer zu verstehen ist, sind die Menschen auch mit motivierten Vorurteilen konfrontiert, die in den sozialen Medien durch Phänomene wie Echokammern, Filterblasen und Fake News gefördert werden können.

    Angesichts der Dringlichkeit des Themas Klimawandel glauben wir, dass das Thema ein perfektes Beispiel ist, um die Auswirkungen sozialer Medien auf wissenschaftliche Themen zu entschlüsseln. Die Ergebnisse können daher auch zu einem breiteren Verständnis von sozialen Medien in der Gesellschaft beitragen und Wege aufzeigen, wie man sich auf das Leben in modernen digitalen Gesellschaften vorbereiten kann.

Gruppenfoto der Projektbeteiligten beim Kick-Off-Symposium
  • Projektüberblick

    Das Gesamtprojekt wird durch fünf verschiedene Teilprojekte definiert, die alle spezifische Ziele verfolgen. Zunächst interessieren wir uns für die Nutzung (usage U) von sozialen Medien für das Thema Klimawandel. Darauf aufbauend definiert das nächste Paket die erforderlichen Kompetenzen (literacies L), die für ein kompetentes Handeln in sozialen Medien erforderlich sind. Beide Pakete informieren über mögliche Interventionen (interventions I), die Wege zur Förderung der Kompetenzen in formalen Lernkontexten beschreiben. All diese Projekte werden durch das Paket der digitalen Methoden (digital methods DM) unterstützt, in dem das L3S die Forschung mit Methoden aus der Informatik unterstützt.

    Was die Publikation der Projektergebnisse anbelangt, so tragen alle Teilprojekte zu dem abschließenden Paket Wissenschaftskommunikation (science communication SC) bei, das die Sichtbarkeit im Internet, eigene wissenschaftliche Konferenzen und einen Sammelband umfasst.

    Plan der Projektstruktur

    Zeitplan

    Das Projekt begann im Juli 2021 und wird im Jahr 2024 abgeschlossen sein. Im ersten Jahr wurde das Projekt einrichtet und mit den ersten Forschungspaketen begonnen. Im März 2022 wurde das Kick-off-Meeting abgehalten, bei dem wir die Forschungsstrategien weiter diskutieren konnten. Diese werden Teil des zweiten Jahres sein, in dem ebenfalls ein Treffen im März 2023 stattfinden wird. Dieses zweite Treffen wird auch eine wichtige Rolle für den Sammelband spielen. Dieser Sammelband und der Abschluss der Forschungsarbeiten werden ein wichtiger Teil des letzten Jahres sein, das mit einer Abschlusspräsentation und der Übergabe der Projektergebnisse endet.

    Weitere Informationen zu den einzelnen Paketen finden Sie in der Rubrik Teilprojekte.

  • Teilprojekte

    Wie in der Projektübersicht beschrieben, haben wir insgesamt vier Hauptforschungspakete: Nutzung, Kompetenzen, Interventionen und digitale Methoden. Jedes dieser Projekte beinhaltet eigene Forschungsziele, die auf dieser Seite näher beschrieben werden. Am Ende der Seite finden Sie eine Übersicht über unsere jüngsten Veröffentlichungen zu den Projektthemen.

    Nutzung (usage)

    Ein erstes Ziel unseres Projekts ist es, herauszufinden, wie Menschen und insbesondere Schülerinnen und Schüler soziale Medien für das Thema Klimawandel nutzen. Im Rahmen dieses Ziels untersuchen wir die allgemeine Rolle der sozialen Medien (U1) und mögliche Verbindungen (U2) mit anderen Variablen. Für die Rolle der sozialen Medien wenden wir derzeit qualitative Methoden an, um zu untersuchen, wie Menschen soziale Medieninhalte in sozialen Medien wahrnehmen. Als letztes Ziel werden wir die Ergebnisse auf ein größeres Publikum verallgemeinern (U3).

    Kompetenzen (literacies)

    Das zweite Hauptziel des Projekts besteht darin, die erforderlichen Kompetenzen für das Thema Klimawandel in den sozialen Medien zu definieren. Dazu führen wir zunächst eine systematische Literaturrecherche (L1) über relevante bestehende Kompetenzen durch und benennen dann die Kompetenzen (L2) für Schülerinnen und Schüler. Im letzten Schritt werden mögliche Einflüsse auf diese Kompetenzen untersucht (L3).

    Interventionen (interventions)

    Das Ziel des dritten Teilprojekts ist es, Möglichkeiten zur Förderung der definierten Kompetenzen in Interventionen zu untersuchen. Um die Auswirkungen dieser Interventionen untersuchen zu können, entwickeln wir ein Messinstrument (I1), das dann in einer untersuchungsorientierten (I2) und trainingsorientierten (I3) Intervention eingesetzt wird.

    Digitale Methoden (digital methods)

    Während die Pakete auf relevante fachspezifische Forschungsfragen ausgerichtet sind, erfordern die Methoden bestimmte Fähigkeiten im Hinblick auf digitale Methoden. Dazu gehört der Einsatz von Techniken wie maschinelles Lernen oder Eye-Tracking, um die Rolle sozialer Medien für den naturwissenschaftlichen Unterricht in einem größeren Datensatz aufzudecken, indem eine hohe Auflösung der Lernprozesse ermöglicht wird.

    Wissenschaftskommunikation (science communication)

    Für alle Pakete planen wir verschiedene Aktivitäten zur Kommunikation unserer Ergebnisse. Dazu gehören die Sichtbarkeit im Internet (SC1), verschiedene wissenschaftliche Sitzungen (SC2) und ein Sammelband am Ende des Projekts (SC3).

  • Projektbeteiligte

    Das Projekt ist eine Kooperation des Instituts für Didaktik der Naturwissenschaften und des Forschungszentrums L3S der Leibniz Universität Hannover. Wir arbeiten auch mit Kollegen von der Justus-Liebig-Universität Gießen zusammen.

    Die Projektleitung liegt zwar beim Institut für Didaktik der Naturwissenschaften, aber es arbeiten verschiedene Personen an dem Projekt mit. Einen Überblick über alle beteiligten Personen in alphabetischer Reihenfolge und ihre Rollen finden Sie in der nachfolgenden Tabelle.

    Oleh Astappiev
    Forschungszentrum L3S

    Experte für LearnWeb-Plattformen

    Dr. Alexander Büssing
    Institut für Didaktik der Naturwissenschaften
    Leibniz Universität Hannover

    Projektleiter und Leiter des Teilprojekts Nutzung (usage)

    Dr. Marco Fisicella
    Forschungszentrum L3S

    Experte für Artificial intelligence

    Prof. Dr. Gunnar Friege
    Institut für Didaktik der Mathematik und Physik
    Leibniz Universität Hannover

    Leiter des Teilprojekts Interventionen (interventions)

    Prof. Dr. Kerstin Kremer
    Institut für Biologiedidaktik
    Justus-Liebig-Universität Gießen

    Leiterin des Teilprojekts Nutzung (usage)

    Soraya Kresin
    Institut für Didaktik der Naturwissenschaften
    Leibniz Universität Hannover

    Doktorandin Teilprojekt Nutzung (usage)

    Dr. Stephanie Lenzer
    Institut für Didaktik der Naturwissenschaften
    Leibniz Universität Hannover

    Teilprojekt Kompetenzen (literacies)

    Dr. Ivana Marenzi
    Forschungszentrum L3S

    Projektleiterin Teilprojekt digitale Methoden (digital methods)

    Prof. Dr. Andreas Nehring
    Institut für Didaktik der Naturwissenschaften
    Leibniz Universität Hannover

    Leiter Teilprojekt Kompetenzen (literacies)

    Prof. Dr. Wolfgang Nejdl
    Forschungszentrum L3S

    Projektleiter Teilprojekt digitale Methoden (digital methods)

    Catharina Pfeiffer
    Institut für Didaktik der Naturwissenschaften
    Leibniz Universität Hannover

    Doktorandin Teilprojekt Kompetenzen (literacies)

    Sophia Siegman
    Institut für Didaktik der Mathematik und Physik
    Leibniz Universität Hannover

    Doktorandin Teilprojekt Interventionen (interventions)

    Apoorva Upadhyaya
    Forschungszentrum L3S

    Doktorandin Teilprojekt Nutzung (digital methods)

  • Informationen für Lehrkräfte

    Lehrkräfte stellen eine wichtige Interessengruppe für das Projekt dar, da wir sie mit dem nötigen Wissen ausstatten wollen, um ihre Schülerinnen und Schüler darauf vorzubereiten, kompetent in den sozialen Medien zu agieren, insbesondere in Bezug auf das Thema Klimawandel.

    Momentan arbeiten wir an konkreten Unterrichts Konzepten, diese werden im weiteren projektverlauf an geeigneten stellen (Unterricht Biologie o.ä.) veröffentlicht werden. Aktuelle sind zwei Artikel dazu erschienen.

Für weitere Informationen oder Fragen können Sie sich an Dr. Alexander Büssing wenden.

PROJEKTFÖRDERUNG

Das Projekt begann im Juli 2021 und wird bis Juni 2024 laufen. Wir bedanken uns für die Förderung durch die VolkswagenStiftung und das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) in dem Programm Niedersächsisches Vorab.

AKTUELLES ZUM PROJEKT

Auftaktveranstaltung | Kick-Off-Symposium

Am 10. und 11.03.2022 hat das Kick-off Meeting des Projekts SoMeCliCS stattgefunden.

Das Kick-off Meeting war auf zwei Tage aufgeteilt. Der Vortragsabend zur Einführung in das Projekt fand am Donnerstag in der schönen Atmosphäre des königlichen Pferdestalls statt und wurde live auf YouTube gestreamt. Anfangs bot Dr. Alexander Büssing unter dem Titel Perspectives on Social Media and Science Education: About SoMeClICS einen Überblick über das Forschungsprojekt. Anschließend fand die Keynote von Prof. Dr. Rogers (University of Amsterdam) statt, der unter dem Titel Where is the urgency in the Climate Change Discourse über die Kommunikation des Klimawandels unter Nutzung moderner Methoden berichtete. In der anschließenden Diskussion wurden gerade diese Möglichkeiten und der interdisziplinäre Charakter des Themas hervorgehoben.

Freitag vormittags haben alle Projektbeteiligten die Möglichkeit gehabt, sich online auszutauschen und produktiv über die einzelnen Teilprojekte diskutiert. Nachmittags ging es um die schulische Praxis des Projekts, hierbei haben Lehrkräfte ihre Sichtweisen dargestellt und spannende Beiträge geliefert. Dabei hat Prof. Dr. Höttecke (Universität Hamburg) die Lehrerfortbildung mit einem Vortrag zum Thema Klimabildung unterstützt.

Konferenz 2023

Am 9. Und 10. März 2023 wird unsere zweite große Konferenz stattfinden. Weitere Informationen hierzu stehen Ihnen bald zur Verfügung.

Wenn Sie zum wissenschaftlichen Programm der Konferenz beitragen wollen, finden Sie hier den Call for paper: https://easychair.org/cfp/someclics23

PUBLIKATIONEN ZUM PROJEKT SOMECLICS


2022


Beniermann, A., Büssing, A. G., & Bergmann, A. (2022). I like! Soziale Medien im Biologieunterricht nutzen. Digital Unterrichten Biologie, 3(7), 3.

Büssing, A., Hamm, T., & Fiebelkorn, F. (2022). Facebook im Biologieunterricht? Social Media Beiträge als Unterrichtsmaterial einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. in A. Bush, & J. Birke (Hrsg.), Nachhaltigkeit und Social Media: Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in der digitalen Welt (S. 259-285). Springer Fachmedien Wiesbaden.

doi.org/10.1007/978-3-658-35660-6_13

Büssing, A., Pril, S., Beniermann, A., Bergmann, A., & Kremer, K. (2022). Inhaltlicher Diskurs oder Shitstorm? Analyse fachlicher Bezüge in Kommentaren eines YouTube-Videos zum Klimawandel. in A. Bush, & J. Birke (Hrsg.), Nachhaltigkeit und Social Media: Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in der digitalen Welt (S. 87-114). Springer Fachmedien Wiesbaden.

doi.org/10.1007/978-3-658-35660-6_5


2021


Beniermann, A., Bergmann, A., & Büssing, A. G. (2021). Ein Like für die Fachdidaktik? Potenziale und Grenzen sozialer Medien für Professionalisierungsprozesse angehender Lehrkräfte am Beispiel Twitter. in D. Graf, N. Graulich, K. Lengnink, H. Martinez, & C. Schreiber (Hrsg.), Digitale Bildung für Lehramtsstudierende: TE@M ‒ Teacher Education and Media (S. 219–226). VS Verlag fur Sozialwissenschaften.

doi.org/10.1007/978-3-658-32344-8_30

Bergmann, A., Beniermann, A., & Büssing, A. G. (2021). Social-Media-Diskurskarten zur Förderung der Argumentations- und Diskursfähigkeit in naturwissenschaftlichen Kontexten nutzen. in M. Kubsch, N. Graulich, S. Sorge, & J. Arnold (Hrsg.), Lehrkräftebildung neu gedacht: Ein Praxishandbuch für die Lehre in den Naturwissenschaften und deren Didaktiken (S. 201-205). Waxmann Verlag GMBH.

doi.org/10.31244/9783830993490

Büssing, A. G., & Fiebelkorn, F. (2021). Neue Bedrohung oder altes Geheul? Beiträge aus sozialen Medien im Kontext der Rückkehr des Wolfes nutzen. Unterricht Biologie, (469), 15-19.

elibrary.utb.de/doi/abs/10.5555/ub-469-2021_03

Büssing, A. G., Bergmann, A., & Beniermann, A. (2021). Social Media im Biologieunterricht: Lernpotenziale sozialer Medien erkennen und nutzen. Unterricht Biologie, (465), 44-47.

www.friedrich-verlag.de/biologie/methoden-konzepte/social-media-im-biologieunterricht-9487

Hamm, T., Fiebelkorn, F., & Büssing, A. G. (2021). Social Media als Unterrichtsmedium? Eine Interviewstudie mit Schülern zum Thema "Rückkehr des Wolfes nach Deutschland". in H. Korn, J. Stadler, & R. Schliep (Hrsg.), Treffpunkt Biologische Vielfalt XVIII - Interdisziplinärer Forschungsaustausch im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt : BFN Skripten 590 (S. 28-30). Bundesamt für Naturschutz.

doi.org/10.19217/skr590


2019


Büssing, A. G., Thielking, A., & Menzel, S. (2019). Can a like save the planet? Comparing antecedents of and correlations between environmental liking on social media, money donation, and volunteering. Frontiers in psychology, 10(AUG), [1989].

doi.org/10.3389/fpsyg.2019.01989


PROJEKTLEITUNG

Dr. Alexander Georg Büssing
Adresse
Am Kleinen Felde 30
30167 Hannover
Gebäude
Raum
305
Dr. Alexander Georg Büssing
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30167 Hannover
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