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Willkommen im Anthropozän - Schulklasse erprobt neuen Workshop im paläon

Kooperation zwischen Leibniz Universität Hannover und paläon - Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere

 "Ich bin erstaunt darüber, wie sehr der Mensch auf die Umwelt einwirkt und welche Folgen das hat," resümiert Inga Brandt, Schülerin der Ricarda-Huch-Schule Braunschweig, nach ihrem Besuch im paläon. Dort hat sie im Rahmen eines Workshops Wissenswertes über das Anthropozän als dem jüngsten Abschnitt der Erdgeschichte erfahren. Der Nobelpreisträger Paul Crutzen gilt als Vordenker der Anthropozän-Idee. Demnach hat das Wirken des Menschen mittlerweile einen so großen Einfluss auf das System Erde, dass massive Veränderungen in geologischen Schichten nachweisbar sind. Der Mensch ist zur geologischen Kraft geworden, seine Einflüsse auf die Umwelt sind mit Naturgewalten vergleichbar. Merkmale dieser anthropogenen Eingriffe in natürliche Prozesse sind u.a. der Klimawandel und das derzeit zu beobachtende Artensterben, das als das größte seit der Entwicklung der Arten gilt.

Die Anerkennung des Anthropozäns als neues Erdzeitalter wird in vielen Wissenschaften kontrovers diskutiert. In der gesellschaftlichen Debatte ist der Begriff mittlerweile etabliert. 2016 wurde er zudem auf dem International Geological Congress in Kapstadt anerkannt. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach den Handlungsspielräumen der Menschheit im begrenzten System Erde: Wo liegen die Belastungsgrenzen des Erdsystems, wo sind diese vielleicht schon überschritten? Welche Lösungsansätze und Visionen gibt es, um Probleme der Überlastung zukünftig zu bewältigen?

Das paläon als BNE-Standort

Die Schöninger Speere gelten als Meilenstein der frühen Menschheitsgeschichte. Im paläon werden sie vor der Kulisse eines ehemaligen Braunkohletagebaus präsentiert, einem Zeugen für das fortgeschrittene Industriezeitalter. Dieser Kontrast macht das paläon zu einem besonderen außerschulischen Lernort, der Fragen zu Geschichte und Zukunft verbindet und somit prädestiniert ist, Aspekte des Anthropozäns zu diskutieren. Die Kulisse des ehemaligen Tagebaus steht dabei exemplarisch für das Einwirken des Menschen ins System Erde.

Kooperation zwischen paläon und Leibniz Universität Hannover (Institut für die Didaktik der Naturwissenschaften, Fachgebiet Didaktik der Geographie)

Unter der Leitung von Andreas Eberth entwickelten Studierende im Masterstudiengang Geographie Lehramt an Gymnasien an der Leibniz Universität Hannover im Sommersemester 2017 den Workshop "Willkommen im Anthropozän - Charakteristika und Bedeutung eines neuen Erdzeitalters". Das Format vermittelt aus verschiedenen Blickwinkeln und mit handlungsorientierten Ansätzen des forschenden Lernens, wie stark der Mensch die Erde unterdessen prägt. Dabei geht es aber nicht nur darum, Probleme aufzuzeigen, sondern auch Lösungsansätze zu vermitteln und Mut für zukunftsfähige Veränderungen zu machen. Die Inhalte sind passgenau auf die Kerncurricula Erdkunde der Jahrgänge 10 und 11 (G9) zugeschnitten.

Ein gelungener Testlauf

Am 11.01.2018 testete die Klasse 10a des Gymnasiums Ricarda-Huch Schule aus Braunschweig den neuen Kurs. In einem Impulsvortrag in der Ausstellung führte Andreas Eberth in das Thema ein. Vor dem eindrucksvollen Panorama von Tagebau, Kraftwerk Buschhaus und Windrädern erlebten die Schülerinnen und Schüler exemplarisch, wie stark der Mensch mittlerweile das Bild unseres Planeten prägt und wie entscheidend es ist, diesem Einwirken Ideen für eine nachhaltige Entwicklung entgegenzusetzen. Weiter ging es im Seminarraum. Dort setzen sich die Schülerinnen und Schüler an Stationen mit den Themen Energie, Urbanisierung, Stadtplanung, Biodiversitätsverlust und Meeresverschmutzung auseinander. Angesichts einer stetig wachsenden Weltbevölkerung und Technisierung werden hier die Grenzen der Belastbarkeit unseres Planeten sehr deutlich aufgezeigt.

Beispiele aus dem Workshop

Besonders beliebt bei den Schülerinnen und Schülern war das Dunkelkammerexperiment zur Lichtverschmutzung: Mittels Leuchtsternen, die zuerst im Dunkeln, dann im Halbdunkeln gesucht werden mussten, wurde deutlich gemacht, wie sehr Wahrnehmung und Orientierung gestört werden, wenn der Mensch die Nacht mittels künstlicher Beleuchtung zum Tag macht. Nicht nur Tieren fällt damit die Orientierung deutlich schwerer, auch Menschen benötigen die Dunkelheit, um ihren Hormonhaushalt im Gleichgewicht zu halten. Das immense weltweite Artensterben geht zum Teil auch auf die massiven Lichtemissionen zurück.

An der Station zum Thema "Energie" hatten zwei Studenten eigens ein Modell eines Pumpspeicherkraftwerks aus Legosteinen gebaut, um dessen Funktionsweise zu veranschaulichen. Das Prinzip der Energiespeicherung konnten die Schülerinnen und Schüler hier selbst nachstellen, indem sie "Wassermurmeln" ein Förderband heraufkurbeln konnten, die dann bei Bedarf wieder nach unten rollen konnten und so die gespeicherte Energie wieder freigaben.

Die Lerngruppe aus Braunschweig war sich einig, dass der Besuch des paläons als außerschulischem Lernort lohnenswert war. "Wir nehmen viele neue Erkenntnisse mit nach Hause," berichtet Laura Oliveira im Anschluss an den Workshop zum Anthropozän und Jakob Lorenzen ergänzt: "Ein sehr interessantes Thema, das unglaublich gut vermittelt wurde!" Dem kann auch Björn Hoppe, Lehrer für Bildung für Nachhaltige Entwicklung am paläon, nur zustimmen: "Ich freue mich sehr, dass wir am paläon einer der ersten außerschulischen Lernorte in Niedersachsen sind, die einen Kurs zu diesem Thema anbieten werden."

Buchungshinweise

Der Workshop "Willkommen im Anthropozän - Charakteristika und Bedeutung eines neuen Erdzeitalters" wird ab August 2018 angeboten. Er richtet sich insbesondere an Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 10 und 11. Der Kurs dauert 2 Stunden und kostet 7,50 Euro pro Person.

Kontakt an der LUH

Andreas Eberth